Darstellende Kunst
Nibelungen-Festspiele Worms

Hervorragendes Ergebnis der Nibelungen-Festspiele 2011:
Die Auslastung lag bei knapp 90 Prozent
Worms. Die Nibelungen-Festspiele konnten mit dem Stück „Die Geschichte des Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß“ von Dieter Wedel und Joshua Sobol ein großartiges Ergebnis erzielen. „Es gab noch nie in der zehnjährigen Festspiel-Geschichte so viele Reaktionen und E-.Mails, die ihrer tiefen Bewegung über das Stück und die Aufführung Ausdruck gegeben haben“, erklärt Festspiel-Intendant Dieter Wedel. „Das hat mich sehr beeindruckt.“ Trotz der problematischen Wettersituation seien viele Menschen von weither angereist.
Die Verantwortlichen rechnen bei den Festspielen, die heute Abend zu Ende gehen, mit einer Auslastung von annährend 90 Prozent. Dieter Wedel weiter: „Ein wunderbares Ergebnis, ganz besonders, wenn man bedenkt, dass wir keine leichte Kost bieten. Ich hoffe zwar, es ist gute Unterhaltung, aber von heiterer Zerstreuung ist es weit entfernt. Wir haben den Menschen in diesem Jahr etwas zugemutet, und das wurde belohnt.“
Michael Kissel, Oberbürgermeister der Stadt Worms und Vorsitzender des Gesellschafterausschusses der Nibelungen-Festspiele, ist mit dem Verlauf der diesjährigen Festspiele sehr zufrieden. „Ich habe den Eindruck, dass es gelungen ist, die Berührungsängste, die viele mit der deutsch-jüdischen Thematik hatten, abzubauen. Dies war mein größter Wunsch, ich bin von Anfang an der Überzeugung gewesen, dass es richtig ist, „Die Geschichte des Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß“ in Worms aufzuführen. Wir haben grandiose Schauspieler gesehen und ein bewegendes Stück.“
Mit der „Geschichte des Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß“ wurde im Jubiläumsjahr der Festspiele ein Stoff aufgeführt, der ähnlich wie die Nibelungen von den Nazis missbraucht wurde. Schon zu Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2004 kündigte Dieter Wedel an, neben dem Nibelungen-Thema auch andere Stoffe auf die Bühne zu bringen, die mit der Wormser Geschichte verbunden sind. Im vergangenen Sommer machte er mit der Geschichte über den Stauferkaiser Friedrich II. in „Teufel, Gott und Kaiser“ erfolgreich den Anfang. Worms ist seit dem Mittelalter eng mit der Geschichte der Juden in Deutschland verknüpft. In Worms befindet sich der älteste jüdische Friedhof Europas. – seit vielen Jahrzehnten Anziehungspunkt für Besucher aus aller Welt.
Die Geschichte des jüdischen Finanziers Joseph Süß Oppenheimer ist ein Mythos, der über die Jahrhunderte hinweg die Menschen bewegt hat. Auf Verteidigungsschriften folgten hasserfüllte Pamphlete, die in dem antisemitischen Hetzfilm „Jud Süß“ von Veit Harlan gipfelten.
Zum zehnten Geburtstag der Nibelungen-Festspiele ist das Star-Aufgebot besonders groß gewesen. Neue Schauspieler sowie bekannte Namen aus zehn Jahren Festspiele konnte Intendant Dieter Wedel für die diesjährige Uraufführung engagieren: Rufus Beck, Felicitas Woll, Jürgen Tarrach, Manfred Zapatka, Teresa Weißbach, Peter Striebeck, Walter Plathe, André Eisermann, Anouschka Renzi und andere.
Vom 25. Juni bis 10. Juli wurde an insgesamt 16 Abenden vor der Westseite des Wormser Kaiserdoms „Die Geschichte des Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß“ aufgeführt, jeden Abend standen 1244 Plätze zur Verfügung.
Sascha Kaiser, der Kaufmännische Geschäftsführer der Nibelungen-Festspiele, erklärt: „Es hat sich herausgestellt, dass im Rahmen der Nibelungen-Festspiele auch andere Stoffe sehr gut vor dem Wormser Kaiserdom funktionieren und vom Publikum mit großer Begeisterung angenommen werden. Die Nachfrage an Tickets war gerade gegen Ende der Festspiele nochmal besonders groß. Ich glaube, wir hätten noch länger spielen können.“
Ulrich Mieland, der Technische Geschäftsführer der Nibelungen-Festspiele betont, dass der romantische Heylshofpark, den Kritiker als eines der schönsten Theater-Foyers in Deutschland bezeichnen, von den Besuchern hervorragend angenommen wurde. „Er ist längst eine Attraktion für Tausende von Gästen und ein Markenzeichen der Nibelungen-Festspiele.“
Erfolgreich war auch das Kulturprogramm der Nibelungen-Festspiele, das in diesem Jahr ganz im Zeichen des Stückes „Die Geschichte des Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß“ stand. Zum ersten Mal wurde in Kooperation mit den Nibelungen-Festspielen ein Buch veröffentlicht und eine Umfrage zum Thema „Minderheiten in Deutschland“ in Auftrag gegeben. „Assimiliert, integriert, diskriminiert? Minderheiten in Deutschland“, so der Titel des Buches, das von Dr. Kurt E. Becker herausgegeben wurde.
Weitere Highlights des Kulturprogramms waren: die musikalische Lesung von Nina Petri mit Texten von Else Lasker-Schüler, das Konzert „Berlinoise“ mit Meret Becker, das Filmwochenende, an dem vier Filme über die Figur Joseph Süß Oppenheimer in der Kinowelt Worms gezeigt wurden, darunter auch „Jud Süß“ von Veit Harlan, die Sonderveranstaltung zu „Jud Süß“ im Nibelungenmuseum sowie die Theaterbegegnungen mit dem Thema „Die Wahrnehmung des Anderen“. Im Heylshofpark referierten und diskutieren: der Literaturwissenschaftler und Vorsitzende der Jüdischen Gemeinden Rheinland-Pfalz. Dr. Peter Waldmann, Sandra Kreisler, die auch jiddische und kabarettistische Chansons präsentierte, Dr. Michel Friedman, der einen Vortrag über die multi-kulturelle Gesellschaft hielt sowie Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma. Die Autoren Joshua Sobol und Dieter Wedel beantworteten Fragen zum Stück. Gut besucht waren auch die Aufführungen der Nibelungenhorde, der Kindertag und der „Tag der offenen Tür“.
Veranstaltungen 2012
Vom 3. bis zum 19. August 2012 finden die elften Nibelungen-Festspiele vor der Westseite des Wormser Kaiserdoms statt. Wegen des großen Interesses an „Die Geschichte des Joseph Süß Oppenheimer, genannt „Jud Süß“ überlegen der Intendant und das Festspiel-Team, im nächsten Jahr das Stück wieder aufzunehmen. Wie bei den Nibelungen wird es dann natürlich nicht einfach eine Wiederholung geben, sondern es werden neue Blickwinkel auf das Stück erarbeitet werden. Weitere Informationen unter www.nibelungenfestspiele.de
Nibelungen-Festspiele Worms
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67549 Worms
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